JAN DELAY____SEARCHING FOR THE JAN SOUL REBELS
CD/LP
Buback / Groove Attack, VÖ: 9.4.01

01. Sam Ragga Styler
02. Ich moechte nicht, dass Ihr meine Lieder singt!
03. www.hitler.de
04. An die Buerger von Konsolien ft. Sam Semilia
05. Vergiftet
06. Rebecca & Svenja
07. B-Seite
08. Soehne Stammheims
09. Der rote Knopf
10. Flashgott
11. Die Sonne, die scheint
12. Die Party ist zu Ende



   
Rapper auf ELEKTROpopper.de? Ich bin falsch hier, schnell weg!

Halt, halt - ganz so einfach ist die Sachlage nicht. Wenn du dich auch schon mal gefragt hast, wer dieser Typ mit der näselnden Unikatenstimme (O-Ton Delay) ist, der Nenas alten Hit "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" in ein grooviges Deutsch-Reggae-Stück umbaute, der ist beim heutigen Tipp des Tages genau richtig.

Jan Eißfeldt alias Jan Delay ist dieser hoffnungsvolle Künstler, im Hauptberuf Leadsänger der Rap-Kombo "Absolute Beginner", der den Sprung vom einfältigen Selbstbeweihräucherungs-Sprechgesang (Hip Hop) zum Reggae-Meister schaffte. Natürlich mit deutschen Texten! Deutsche Texte kommen heutzutage immer mehr in Mode, eine Entwicklung, die natürlich zu begrüßen ist. Jan Delay unterscheidet sich jedoch von seinen tumben Rap-Kollegen (..."Eh, ich habī die geilsten Styles...und alle anderen sind scheiße!"...) durch politische Stellungnahmen und kritische Äußerungen, die in der heutigen (kommerziellen) Musikwelt nur selten zu finden sind.

Da ist natürlich an erster Stelle das Skandalstück "Söhne Stammheims" zu nennen, das hohe Wellen in den Gazetten (bis zum "Spiegel"!) geschlagen hat. Textauszug: "Nun kämpfen die Menschen nur noch für Hunde und Benzin, folgen Jürgen und Zlatko, doch nicht mehr Baader und Ensslin..." Und noch etwas radikaler: "Die die Unheil und Armut und Krankheit verbreiten, für sie herrschen sorglose Zeiten, da kein bißchen Sprengstoff sie daran hindert, ihre Geschäfte zu betreiben..." Um juristische Anklagen zu vermeiden, hatte Delay sicherheitshalber einen Anwalt konsultiert, der den Text hier und da entschärfte und auf seine heutige Form "schliff".

Mein persönlicher Liebling ist jedoch der Song "www.hitler.de" mit der inhaltlichen Aussage, dass "der böse Mann mit dem kleinen Bart" noch lange nicht tot sei. Denn er baut uns jetzt auch noch eine "Daten-Autobahn" und ist dadurch "inter-national." - Textlich genial, was Eißfeldt da verzapfte. Aber auch der Sound ist mitreißend und zwingt geradezu zum Mittanzen. Delay zeigt, gerade bei diesem Song, dass politische Texte und grooviger Sound keine Fremden sein müssen. Er packt sie beide einfach in seinen Musik-Yougurt. Kräftig geschüttelt und fertig ist der Ohrwurm.

Jan Delay hat mit seinem Album sicherlich ein Highlight des deutschsprachigen Reggae abgeliefert. Ist ja eigentlich fast keine Kunst, da "uns Jan" ziemlich allein auf deutscher Flur steht, wenn es um Soul und Reggae geht. Abgesehen vom umtriebigen Gotteskrieger Xavier Naidoo, der anscheinend unvermeidbar, in einem Lied der Platte ("Flashgott"), seine Phrasen zum besten gibt. Thema des Liedes: Was sonst, der alte Mann da oben, der so schön flashen kann! Egal, Hauptsache, es groovt!

"Searching for the jan soul rebels" ist ein Album, was fetzt und auch in eine Elektropopper CD-Sammlung passt, ohne gleich vollendens aus dem Rahmen zu fallen. Einzig die nervigen Wurmfortsätze aus alten Rappertagen, die ständigen Ansagen bei jedem Lied, wer den jetzt am Mic (Sprich: Meik) sei, nerven ein wenig. Doch sie beeinträchtigen den Kunstgenuss nur wenig, so dass sich Jan Delay mit "Searching for the jan soul rebels" 4 elektrische Kochlöffel (auf der Skala bis 5) verdient hat. Für einen Rapper - not bad! Und immer dran denken: "This is Eimsbush (Jan Delay) calling, so you better keep on dancing!"

Wien, 3.9.2001
Euer ELEKTROpopper