TIPP DES TAGES




Ein kleiner Abriß über Tölenfraß, Hodenfett, Schädelkraut und Staubgebein...

Jetzt dreht er durch - der ePopper! Was soll das denn jetzt schon wieder?

Nun, öfters mal was Neues, sollte doch die Devise sein. Und so freue ich mich besonders Euch diesmal nicht eine CD oder sonstigen Tonträger präsentieren zu dürfen, sondern schlicht und ergreifend ein Buch. Wenngleich der Autor kein geringer als Till Lindemann, der sprachgewaltige Liedsänger und Texter der Tanzmetall-Kombo "Rammstein" ist. Klingt spannend, oder? Aber jetzt beginnen sie, meine Probleme... Wie schreibe ich denn um Gotteswillen über ein Buch, dass ich nicht gelesen habe und darüber nur über Zeitung und Internet erfahren habe. Nun ja, ich erzähle einfach das, was ich weiß und was mir dazu in den Sinn kommt, abgemacht?!

(RRR)oller-Till hat sicht also unter die Dichter und Denker begeben und einen Gedichtband mit dem poetischen Namen "Messer" herausgegeben. Es ist ein Band voller düsterer, in ihrer Sprachkraft durchaus ausgefallener Gedichte. Zitat einer Zeitung: "[In den Gedichten wird] das Martialische plötzlich verdaulich, erstaunliche Vielseitigkeit tritt hervor - Lindemanns Gespür fürs Altdeutsche, für eine spezifische Morbidität, die immer zu tun hat mit Sich-Spüren-Wollen. Ein bisschen Kinski-Poesie ohne dessen unbedingten Fäkalwillen ... , aber mit dunkeldeutschem Hang zum Perversen."

Die Titel sind "Sautod", "Missfall" oder "Immunschwäche sehr positiv", die Verse handeln von toten Mädchen im Wald, gefressenen Därmen, Onanieren auf Asche, Götter auf Logenplätzen, Fischgeruch und gesteckten Zungen in allerlei "Gefräß". Viele Werke sind bestialisch, manche fast zärtlich, einige makaber humorvoll, aber alle drehen sich um den unausweichlichen Untergang.

Pyromanen-Till ist ein wahrer Sprachentdecker (siehe Titel). Er demoliert Wörter, um sie hinterher wieder zusammen zu stecken. Dabei entstehen wundervolle Phrasen, wie "zum Futterplatz ludern" oder "aus der Decke schlagen". Lindemann beackert großes, braches Wortgelände. Seine Sprache reizt, sein Hang zum Extremen ist virtuos verschachtelt und doch muß da eine Frische sein, die viele andere der Zunft vermissen lassen.

Jetzt wird es Zeit für eine Kostpobe. Das Verslein heißt "Glück". Textzitat:

Das Leben birgt auch gute Stunden
hab Fischaugen am Strand gefunden
werd sie auf meine Augen nähen
kann dich dann unter Wasser sehen
und all die bunten Wasserschlangen
aus deinem schönen Schädel fangen


Wer mehr Schmäckerchen möchte, kann das Buch im harten Einschlag für schlappe 29 Euronen und 90 Eurocent im gut sortierten Buchhandel erstehen. Und vielleicht braucht ja die Eine oder der Andere noch ein Geschenk für Großmama zum Feste!? ;-)

Viel Lesevergnügen!

Euer ELEKTROpopper

Dresden, 04.12.2002



Link zu Tills Band: www.Rammstein.de

Hier gibt es wohlfeine Bilder von Till (ein MUSS!): www.DasSchoensteKind.de

Tipp des Tages vom: 03.09.2001 11.01.2002 27.09.2002