Stendal Blast

TIPP DES TAGES




Diese Woche hat der ELEKTROpopper "Fette Beute" gemacht. Rein in die Plattenboutique meines Vertrauens und zugeschlagen. Einmal reingehört, wieder zurückgelegt, da CDs ja heutzutage sauteuer sind. Aber die Saat war gelegt und begann aufzukeimen. Der peppige Sound des heutigen Tipps des Tages ist dem ELEKTROpopper nicht mehr aus dem Ohr und dem Kopf gegangen...

Neues Album von Stendal Blast - eine Fette Beute
Und so nenne ich ab heute das neue Album "Fette Beute" von Stendal Blast mein eigen. Die Jungs um den charismatischen Sänger Kaaja Hoyda (Bernhard Lottes und Valek Devkar) werden wirklich immer besser. Ich weiß nicht, wie es euch beim ersten Kontakt mit dieser Band gegangen ist, aber ich hatte meine Zweifel, dass es die Elektromusiker auf dem harten Musikmarkt schaffen würden. Der Sound war äußerst eingängig, aber was macht dieser singende "Fleischklops" von Sänger da auf der Bühne? Er wirkte auf seine Art tapsig und irgendwie fehl am Platze der Zentralposition einer Band. Und dann dieser rammsteineske Sprechgesang! Man war stets geneigt, dem Kaaja ein Hustenbonbon für seine ramponierte Stimme zu reichen. Nein, singen konnte dieser Mann wirklich nicht!

Diese zugegeben oberflächlich negative Einschätzung hatte mich damals dennoch nicht davon abgehalten, die Scheibe "...Morgenrot" zu erstehen. Und siehe da: aus der hässlich dreckigen "CD-Muschel" kam noch eine Perle zum Vorschein. Kluge Texte, nicht ohne Eigenironie, gepaart mit wummerndem Sound bildeten ein würziges Soufflé, das gefällt. Und auf einmal passte auch diese eigenwillige Stimme von Kaaja. Sie untermalt die Texte mit einer gebrüllten Ehrlichkeit, dass man glauben mag: "Eija, desch hat der Kaaja wirklich erlebet!" Dies könnte vielleicht auch das Geheimnis von Stendal Blast sein...

Stendal Blast - Album ...Morgenrot Und so griff ich diesmal wesentlich zielstrebiger zum neuen Vinyl der Band, die übrigens nicht aus Stendal, der Maschinenbaustadt Sachsen-Anhalts, sondern aus der Grönemeyer-Kapitale Bochum stammt. Also rein mit dem Scheibchen in den Spieler - hä, falsche Platte? Projekt Pitchfork noch im Laufwerk? Ne, aber die Anfangstakte des Titelsongs "Fette Beute" kenne ich doch irgendwie! Egal, es gefällt. Das Liedchen "Fette Beute" ist ein Monolog über das Davonkommen vorm Teufel oder dem lieben Gott, je nach Konfession, und dies nur, weil Kaaja der Sänger von Stendal Blast ist. Glück gehabt! ;-)

Liebe, Beziehungskrieg, zwischenmenschliche Verständigungsprobleme sind zweifellos eine der Domänen von Stendal Blast. Kleine Kostprobe gefällig? Textzitat:

ich weiß du sagst "ich will dass du fortgehst"
ich weiß ich sag "ich glaub dir das nicht"
ich glaub du denkst "ich will daß er hier bleibt"
ich weiß du glaubst "das tut er bestimmt"


Diese Zeilen stammen aus dem Lied "Ohne Gnade" und könnten die Unterschiedlichkeit fraulichen und männlichen Denkens nicht treffender beschreiben. Zum Schmunzeln und Nachdenken - für Männer und Frauen.

Ein Highlight (Höhepunkt) ist zweifellos das Liedchen "Nur ein Tag" - ein Duett mit "Deine Lakaien"-Frontmann Alexander Veljanov. Geht das? Ja, erstaunlich gut. Die Brachialität Hoydas mischt sich vorzüglich mit der Melancholie und Zartheit von Veljanovs Stimme. Carpe diem - ein Thema was immer Konjunktur hat, vorgetragen von zwei Gegensatzpaaren. Sehr schön. Wo ist mein Feuerzeug?

Mein persönlicher Liebling ist jedoch der Titel "Was ist die Richtung?". Dieser Song hat das Zeug, zum Begleitlied jedes Bundestagswahlkampfes zu werden. Schmissige Beats, anklagender Text: "Wohin soll es weitergehen, was ist die Richtung in die wir weiterziehen?" machen dieses Liedchen zu einem Clubhammer. Absolut tanzbar.

Alles in allem ist das neue Stendal Blast Scheibchen ein rundum gelungenes Werk. Kinderreime (Kleine Wanze auf der Mauer), Alltagsprobleme, menschliche Besessenheiten (Pyromane) sowie Beziehungsprobleme werden von Stendal Blast aufgegriffen und mit schmissigen tanzbaren Elektroklängen vermischt. Stendal Blast gehören einfach in die Sammlung eines jeden Elektroliebhabers. Der ELEKTROpopper verteilt 5 von 5 elektrischen Kochlöffeln. Und außerdem: "Dünner dürfte der Sänger von Stendal Blast wirklich nicht sein!" ;-)

Euer ELEKTROpopper

Dresden, 27.9.2002



Stendal Blast

Link zur Band: www.StendalBlast.de

Hier gibt es eine weitere interessante CD-Kritik und ein anschließendes Interview mit Stendal Blast: Grenzwellen.com

Tipp des Tages vom: 03.09.2001 11.01.2002